Eine süße Gute-Nacht-Geschichte

ANGELWOOD. KINGS & QUEENS - Hendrik Birke

Angelwood: Kings & Queens“ ist ein schmales Büchlein, das mir vom Autor Hendrik Birke mit der Bitte um eine Rezension als e-Book zur Verfügung gestellt wurde. Sonst lese ich keine e-Books (wie ihr wisst), aber da dieses nur 161 Seiten umfasst, befand ich, dass ich es auch gut am PC genießen könnte. Hendriks Werk weckte mein Interesse, weil es inhaltlich sehr nach einem Märchen oder High Fantasy Roman klang; darüber hinaus gefielen mir auch die wunderschönen Illustrationen von Su Haitao. Ich nahm den Auftrag an.

 

Das Königreich Angelwood ist in Gefahr. Kurz vor der anstehenden Königswahl wird der göttliche Kompass schwer beschädigt, der das nächste Oberhaupt hätte festlegen sollen. Alles deutet darauf hin, dass diese schreckliche Tat von Monderyan begangen wurde. Doch jemand muss ihm geholfen und Zutritt zum Palast verschafft haben. Um das Land vor Chaos und Krieg zu bewahren, muss König Vyncent seine geliebte Tochter Serenity auf eine abenteuerliche Reise schicken. Angelwood kann nur durch die gebündelten göttlichen Tugenden der Menschen gerettet werden. Auf ihrer Reise soll Serenity acht Gefährten ausfindig machen, die diese Tugenden repräsentieren: Liebe, Glaube, Kraft, Respekt, Mut, Stolz, Ehre und Treue. Begleitet von Raphael, einem Mitglied der Engelskrieger, macht sich die junge Prinzessin auf den Weg. Doch das Böse schläft nicht und so gestaltet sich Serenitys Aufgabe nicht nur als schwierig, sondern auch als gefährlich. Wird sie ihre Heimat mithilfe ihrer neuen Freunde vor dem drohenden Unheil beschützen können?

 

Anfangs hatte ich so meine Probleme mit „Angelwood“. Als High Fantasy Roman, den ich erwartet hatte, funktioniert dieses Buch für mich nicht. Ich musste meinen Blickwinkel korrigieren. „Angelwood“ ist in meinen Augen kein Roman, sondern eine bezaubernde und witzige Gute-Nacht-Geschichte. Als ich meinen Eindruck mit Hendrik besprach, bestätigte er diesen, indem er mir verriet, „Angelwood“ sei von ihm in der Art eines Disney – Märchens konzipiert.
Ich liebe die innovative Idee des göttlichen Kompasses, der den jeweils nächsten König oder die nächste Königin auswählt. Ich finde, in diesem Einfall steckt sehr viel Potential und bin auf weitere Erklärungen gespannt, da der Autor hierzu bisher kaum etwas offenbart.
Ebenso faszinierend fand ich den Ansatz, Serenity nicht nach einem Gegenstand, sondern nach Menschen mit bestimmten Tugenden suchen zu lassen. Das peppt Altbekanntes angenehm auf, denn es geht mal nicht um ein magisches Relikt oder eine mächtige Waffe. Außerdem wird den LeserInnen dadurch schnell bewusst, dass „Angelwood“ eine moralische Botschaft vermitteln soll, was mir auch von Hendrik bescheinigt wurde. Diese steht klar im Vordergrund und gibt der Geschichte eine Aura von Reinheit.
Die Darstellung des Landes Angelwood wirkte auf mich bisher vage. Im ersten Band schafft Hendrik nur das Fundament seiner magischen Welt; er vermittelt einen ersten Eindruck, ohne ins Detail zu gehen. Das behinderte mich leider in meiner Fantasie; da die Umgebungsbeschreibungen zu flach geraten sind, hatte ich in diversen Szenen Schwierigkeiten, mir das Setting vorzustellen. Auch ist mir noch nicht klar, wovon genau das Land eigentlich bedroht wird und wie Serenity und ihre Freunde diese Bedrohung aufhalten sollten. Hendrik hat jedoch versprochen, dass beide Punkte in den Folgebänden erläutert werden; er lässt sich absichtlich Zeit beim Aufbau seiner Geschichte.
Mit den Charakteren hatte ich hingegen kaum Probleme. Sie alle sind mir rasant ans Herz gewachsen, obwohl sie natürlich ein wenig stereotyp und noch nicht richtig individuell sind. Die Ausnahme ist ausgerechnet Serenity selbst. Hendrik sieht sie als die „Mutter Theresa“ (Zitat) seiner Geschichte, für mich ist sie allerdings ein bisschen zu gutherzig und selbstlos. Vielleicht bin ich zynisch, aber mir fällt es schwer, eine Figur zu akzeptieren, die bisher keine einzige negative Eigenschaft hat. Ihre Aussagen erschienen mir oft pathetisch, sodass ich verleitet war, mit den Augen zu rollen, sobald sie den Mund aufmachte. Ich hoffe, dass sie in den nächsten Bänden mehr Tiefe bekommt und in einen richtig schönen inneren Konflikt gerät.

 

Ich sehe in „Angelwood: Kings & Queens“ trotz ein paar Mängeln viel Potential für eine märchenhafte Fantasy –Geschichte. Schon als Kind habe ich Gute-Nacht-Geschichten geliebt, Autor Hendrik Birke trifft dementsprechend meinen Geschmack. Sein Erstling konnte mich vor allem durch erfreulich innovative Ideen und den klaren moralischen Anspruch überzeugen. Ich möchte weiterlesen. :)
Ich denke, „Angelwood“ wird nicht allen LeserInnen gefallen, weil es in gewisser Weise süß und kindlich ist. Wer sich mit klar verteilten Rollen von Gut und Böse, sprechenden Tieren und gradlinig konstruierten Figuren jedoch wohl fühlt, kann meiner Meinung nach guten Gewissens das Land Angelwood als Ausflugsziel für zwischendurch auswählen.

Quelle: http://wortmagieblog.wordpress.com/2014/07/05/hendrik-birke-angelwood-kings-queens