Süßlicher Kitsch

Shatter Me  - Tahereh Mafi

Laut der englischen Wikipedia – Seite und Tahereh Mafis Website hat sie die Rechte an ihrem Buch „Shatter Me“ bereits noch vor der Veröffentlichung an 20th Century Fox verkauft. Bisher ist jedoch noch nichts über eine Verfilmung bekannt; Mafi selbst schreibt, dass noch sehr viel zu tun ist, bevor das Projekt realisiert werden kann. Nun, ihr wisst, wie ich über YA Verfilmungen denke.

 

Juliette ist tödlich. Sie kann niemanden berühren, ohne grauenvolle Schmerzen zu verursachen und Menschen die Lebenskraft zu entziehen. Daher wurde sie vom Reestablishment weggesperrt. Seit 264 Tagen vegetiert sie in der Zelle einer psychiatrischen Anstalt in völliger Isolation dahin. Sie glaubte sich schon vergessen, doch eines Tages betritt Adam ihr Gefängnis. Das Reestablishment scheint neues Interesse an Juliette entwickelt zu haben. Sie wird zu Warner gebracht, der ihr im Namen des Reestablishments ein schreckliches Angebot macht: sie soll ihre tödlichen Kräfte nutzen, um Aufständische zu foltern und Informationen aus ihnen herauszupressen. Juliette lehnt angeekelt ab. Doch so leicht gibt Warner nicht auf. Wochenlang umschmeichelt er sie. Juliettes einziger Lichtblick ist Adam, der ihr verspricht, mit ihr gemeinsam fortzulaufen. Als der Tag ihrer Flucht gekommen ist, läuft jedoch nichts nach Plan. Warner funkt den beiden dazwischen und Juliette und Adam begeben sich in Lebensgefahr, um ihm zu entkommen.

Ich verstehe die vielen begeisterten Rezensionen zu diesem Buch nicht. Für mich ist das Werk schnulziger Kitsch. Die umfangreich ausformulierten Träume eines Teenie – Mädchens, das sich das Leben einer Prinzessin (Juliette) wünscht, samt Ritter in strahlender Rüstung (Adam), der zu ihrer Rettung herbeieilt. Kaum zu glauben, dass es von einer erwachsenen Frau geschrieben wurde.
„Shatter Me“ soll den Eindruck eines Notizbuchs vermitteln, von Juliette persönlich verfasst. Hierfür bediente sich Mafi eines stilistischen Kniffs: im Textfluss tauchen immer wieder Passagen auf, die durchgestrichen sind. Anfangs fand ich das ganz nett; die Sätze wirkten, als würde sich Juliette selbst nicht erlauben, diese Gedanken zuzulassen, weil sie zu schmerzhaft und ehrlich sind. Doch nach genauerem Überlegen halte ich sie nun für überflüssig und sinnlos. Es handelt sich um Juliettes intime Aufzeichnungen, warum sollte sie einen Satz erst schreiben und ihn dann durchstreichen? Durch eine Durchstreichung kann sie einen Gedanken nicht auslöschen; ist er erst einmal zu Papier gebracht, ist es zu spät. Außerdem verwendet Mafi/Juliette eine überwältigende Flut von ziellosen Vergleichen und Metaphern. Was besonders poetisch und bezaubernd wirken soll, ist in meinen Augen einfach unrealistisch. Niemand denkt so.
Die Dystopie dieses Romans stützt sich auf zwei Pfeiler: zum einen Juliettes Fähigkeit/Fluch, zum anderen die Gesellschaft, die das Reestablishment erschaffen hat, nachdem die Welt im Chaos versank. Über beides erfahren LeserInnen unbefriedigend wenig. Mafis dystopische Gesellschaftsform ist vor allem eines: ungenau. Auf mich wirkte das Ganze eher wie eine Skizze als eine wohl überlegte Konstruktion. Vielleicht hätte ich diese Ungenauigkeit verziehen, hätte sich Mafi dafür intensiv mit Juliettes Besonderheit beschäftigt. Fehlanzeige. Juliette selbst interessiert sich so gut wie überhaupt nicht für ihre Fähigkeit. Weder will sie wissen, woher diese stammt, noch, ob sie vielleicht kontrollierbar ist. Mich frustrierte das zunehmend; der Nerd in mir wollte es verstehen. Stattdessen heult Juliette ständig und bemitleidet sich selbst. Sie ist eine unfassbar schwache Figur, völlig eindimensional, was im Übrigen auch auf alle weiteren Charaktere zutrifft. Der einzige, den ich ansatzweise interessant fand, war Warner.
Selten habe ich ein Buch gelesen, dessen Handlung so wenig ausbalanciert ist. Während die Storyline recht dünn ist und im Großen und Ganzen erstaunlich wenig passiert, wirken viele Szenen künstlich aufgeblasen, angedickt mit seitenlangen, einschläfernden und enervierenden Beschreibungen von Juliettes und Adams Küssen. Ihre Beziehung ist das reinste Klischee. Jahrelang heimlich verliebt in den jeweils anderen, ohne dass er/sie es ahnt und ohne jemals ein Wort gewechselt zu haben. Ach bitte.

 

Ich empfand „Shatter Me“ als eine bis zum Erbrechen süßliche Aneinanderreihung von Belanglosigkeiten, die mich darüber hinaus permanent an die X – Men Comics erinnerte. Juliette ist keine einzigartige Heldin, sondern ein erschreckend genauer Abklatsch von Rogue. In meinen Augen hat Tahereh Mafi versucht, eine Jugendfantasie massentauglich zu vermarkten, indem sie dieser den Anschein einer YA Dystopie gab. Bei mir hat das nicht funktioniert. Für mich endet die Serie genau hier.

Quelle: http://wortmagieblog.wordpress.com/2014/06/25/tahereh-mafi-shatter-me