Die unglaubliche Geschichte des Henry N. Brown

Die unglaubliche Geschichte des Henry N. Brown - Anne Helene Bubenzer Seit ich noch ganz klein war, habe ich mir immer gewünscht, dass mein Teddybär sprechen könnte. Ich wollte, dass sie weiß, wie sehr ich sie liebe, wie sehr ich sie brauche und wie unfassbar sie mir immer geholfen hat, wenn mein Herz in tausend kleine Scherben zu zerspringen drohte.

Heute bin ich 24 Jahre alt und schlafe noch immer mit einem Teddy im Arm. Mir ist das nicht peinlich, obwohl es nicht grade das ist, was man als "cool" oder erwachsen bezeichnen könnte.
Ich hatte das Glück, dass meine Familie sich der Liebe, die ich meinem Bären entgegen brachte, kompromisslos angeschlossen hat - der Teddy durfte überall hin mit, saß auf einem eigenen Platz am Essenstisch und hatte einen eigenen Pass für Flugreisen. Das ist kein Scherz, dieser Pass liegt noch heute gut verwahrt bei meinen Eltern und zeugt durch die Stempel, die viele liebe Menschen am Flughafen in das von Kinderhand gefertigte Dokument setzten, davon, dass die Bärendame wirklich herum gekommen ist.
Ich kenne ihre Vorgeschichte nicht, sie erblickte in den 70er Jahren das Licht der Welt und erhielt dann - sicher über Umwege und durch viele Zufälle - einen Platz in meinem Klassenzimmer in der Grundschule. Ich muss etwa 7 Jahre alt gewesen sein (sie war damals schon 10 Jahre älter als ich), als meine Klasse selbiges aufräumte und ich sie noch in letzter Minute retten und mit nach Hause nehmen konnte. Seitdem ist sie bei mir und meiner Familie.
Heutzutage lebt sie bei meinen Eltern, sitzt dort auf der Couch und ist immer mittendrin im Geschehen. Und wenn ich jeden Sonntag zum Essen komme, nimmt sie häufig ihren alteingesessenen Platz auf meinem Schoß wieder ein. Ich finde mit traumwandlerischer Sicherheit bis heute den einen Punkt auf ihrem Bauch, den ich seit Kindertagen immer wieder streichle; dank Henry N. Brown habe ich nun endlich einen Namen für diese Stelle: "Trostpunkt".

Die Geschichte des Henry N. Brown hat an den Grundfesten meiner Seele gerührt. Sie hat genau das aufgegriffen, was ich mir immer gewünscht habe, was ich mir vorgestellt habe und hat eine alte Hoffnung aus Kindertagen erneut aufleben lassen: dass mein Teddy mich genauso liebt wie ich sie, dass sie alles mitbekommt und sich ihre Gedanken macht, obwohl sie sich nicht äußern kann.
Als junge Erwachsene sitze ich nun hier, habe das Buch grade ausgelesen und es ist dieser eine Gedanke, der mich nicht mehr loslässt: was wäre, wenn?

"Die unglaubliche Geschichte des Henry N. Brown" verknüpft Weltgeschichte auf eine einzigartig bezaubernde Weise mit einer Hommage an die Liebe, die Hoffnung und an die Fantasie. Es hat mich daran erinnert, das Kind in mir lebendig zu halten, mehr noch, es zu umarmen und gelegentlich an die Oberfläche treten zu lassen.
Denn wie sagte schon Erich Kästner?

«Die meisten Menschen legen ihre Kindheit ab wie einen alten Hut. Sie vergessen sie wie eine Telefonnummer, die nicht mehr gilt. Früher waren sie Kinder, dann wurden sie Erwachsene, aber was sind sie nun? Nur wer erwachsen wird und ein Kind bleibt, ist ein Mensch.»
(Erich Kästner)

Wir alle brauchen Trost. Wir alle brauchen Liebe. Und wir alle brauchen einen Freund, der zuhört. Genau deswegen hat mich die Geschichte rund um Henry so berührt.

Ich würde für dieses Buch gern weit mehr als 5 Sterne vergeben, weil es mir etwas gegeben hat, von dem ich nicht wusste, dass ich es brauche: das Wiederaufleben eines Kindertraums, die Verschriftlichung einer Fantasie.

Niemand ist zu erwachsen für diese Geschichte.